Posts by: "Judith Gruemmer"

In der WDR-Lokalzeit aus Bonn: Todkranke Eltern: Abschiedsgeschenk Hörbuch

Lokalzeit aus Bonn 08.11.2019Verfügbar bis 15.11.2019 WDR

Eine Reportage von Anne Burghard und einem anschließendem Studiogespräch mit Prof. Dr. Lukas Radbruch.

Auf der Website der Bonner Lokalzeit: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-bonn/video-lokalzeit-aus-bonn—362.html 

Das Interview mit Prof Lukas Radbruch finden Sie auch bei Youtube

 

RTL WEST: „Eine letzte Botschaft“. Eine Reportage von Patrizia Brinkmann.

Die Stimme von Verstorbenen verblasst schnell. Eine Frau aus Köln bietet schwer erkrankten Menschen die Möglichkeit, ihr Leben zu erzählen. Sie können ihre Geschichte als Hörbuch für die Angehörigen hinterlassen. Auch eine junge Mutter aus Willich hat Botschaften für ihre Familie, vor allem für ihre kleinen Kinder, aufgenommen.

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In der Wochenendausgabe der TAZ am 26./27.10.2019: Letzte Worte. Eine Reportage von Leonie Gubela

Nachlesen als Download die Paper-Ausgabe des Artikels: Nachlesen in der TAZ , erschienen am 30.Oktober 2019 auch Online und in einer längeren Version

Judith Grümmer nimmt mit todkranken Menschen Hörbücher auf. Die wollen den Kindern etwas hinterlassen: ihre Rezepte, ihre Geschichten, ihre Stimme.

RODDER taz | In Judith Grümmers Wohnzimmer steht ein Stuhl für besondere Gäste. Er hat gerundete Armlehnen und ein weißes Polster aus Lammfell. Wer auf ihm sitzt, hat am Esstisch den besten Blick: aus dem Fenster, auf die Koppel, über die Eifel. „Manchmal fliegt der Rotmilan vorbei“, sagt Judith Grümmer. Sie bemerkt es daran, dass ihre Gäste kurz innehalten und dem Tier hinterherschauen. Die Pause schneidet sie dann später aus der Tonaufnahme raus.

Kerstin Leonard möchte sich heute nicht ablenken lassen. Sobald Judith Grümmer das Aufnahmegerät startet, schließt sie die Augen. In letzter Zeit fällt es ihr schwer, sich zu konzentrieren. Leonard, die eigentlich anders heißt, spricht mit ruhiger Stimme ins Mikrofon, erzählt vom „Kleinen Lord“, den sie sich seit ihrer Kindheit um Weihnachten herum immer anschaut, und vom Osterfrühstück, bei dem der Hefezopf nicht fehlen darf.

Grümmer räuspert sich: „Darf ich Sie da ganz kurz unterbrechen? Haben Sie das Rezept im Kopf?“ Leonard nickt, zählt ihrer Tochter die Zutaten auf. „Du erinnerst dich vielleicht, liebe Lena, dass ich ein paar Mal den Zucker vergessen habe. Da war der Hefezopf dann nicht ganz so süß.“

Judith Grümmer nimmt mit jungen Menschen, jungen Müttern und Vätern, die schwerst erkrankt sind, ganz persönliche Hörbücher auf. An ihrem Esstisch in der Eifel oder am Krankenbett auf der Palliativstation lässt sie die PatientInnen erzählen. Vom ersten Schultag, dem ersten Kuss, der ersten großen Liebe. Vom Verhältnis zu den Eltern, Kindheitsurlauben, von Erfolgen, Krisen, Meilensteinen. Am Ende stehen mehrstündige Audiobiografien als Vermächtnis an die Hinterbliebenen. In den meisten Fällen richten sich die Hörbücher an die noch jungen Kinder.

Deutschlands einzige Audiobiografin

Judith Grümmer, die viele Jahre als Journalistin beim Deutschlandfunk gearbeitet hat, beschreibt sich als die interessierte Fremde im Zug, der man sich anvertraut, weil sie nicht bewertet, nicht therapiert und irgendwann aussteigen muss. „Und bevor ich das tue, drücke ich meinem Mitfahrer noch ein Hörbuch in die Hand.“

Heute ist Kerstin Leonards dritter Tag in der Eifel. Als sie das grüne Tor hinter sich ins Schloss fallen lässt, geht Grümmer ihr entgegen, fragt, wie die Nacht war. Leonard hat wenig geschlafen. „Es hat noch ganz schön gearbeitet gestern“, sagt sie und kündigt gleich an, noch ein Kapitel ergänzen zu wollen. Leonard ist 39 Jahre alt, Heilpädagogin und lebt mit Mann und der sechsjährigen Tochter Lena in Ostwestfalen. Vor fünf Jahren wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, seit Januar weiß sie, dass er gestreut hat. Die Metastasen in den Knochen bedeuten, dass ihre Krankheit unheilbar ist.

Die Arbeit an dem Hörbuch empfinde sie zwar als emotional anstrengend, zugleich mache sich Entspannung in ihr breit. “Zu wissen, das ist das, was bleibt, lässt mich mich momentan sehr zur Ruhe kommen“, sagt sie.

Leonard stieß vor ein paar Wochen durch die WDR-Reportage „Menschen hautnah“ auf das Projekt und griff gleich zum Hörer. Seitdem ist sie Teilnehmerin einer Pilotstudie der Uni Bonn. Judith Grümmer und der Direktor für Palliativmedizin der Uniklinik, Lukas Radbruch, forschen seit 2017 zur Wirkung der Audiobiografiearbeit. Die RheinEnergie-Stiftung übernimmt die Kosten der Hörbücher für Menschen aus NRW.

Die Idee für das Projekt kam Grümmer schon einige Jahre früher; seit 2004 hat sie neben ihrem Hauptberuf immer wieder Hörbücher aufgenommen. Im vergangenen Jahr gab sie ihren Job auf, um das in Vollzeit zu tun. Sie ist Deutschlands einzige Audiobiografin. Noch. Denn seit September werden 15 JournalistInnen an der Bonner Akademie für Palliativmedizin ausgebildet.

It takes a village

Judith Grümmer bietet Leonard Kaffee und ein Brötchen an, die winkt ab. Das Frühstück im Ferienhaus sei reichhaltig, und überhaupt, Vera, „die hat das so gut gemacht“. Vera Schönberger gehört die Ferienwohnung am Ende der Straße, alle ProjekteilnehmerInnen übernachten dort. Sie berechnet keine Gebühren, wenn Grümmers Gäste kurzfristig absagen. Der Wirt schmeißt Leute raus, die dumm gucken, wenn jemand ohne Haare dasitzt. Und der Schreiner hat Judith Grümmer eine Bank vors Haus gebaut, auf die die Abendsonne so schön fällt. Das Projekt ist auf das Dorf übergeschwappt.

Kerstin Leonard nimmt auf dem lammfellgepolsterten Stuhl Platz und schlägt ihren Collegeblock auf. Sie möchte mit dem kurzen Kapitel anfangen, das ihr gestern noch eingefallen ist. Grümmer startet das Aufnahmegerät, Leonard schließt die Augen.

Grümmer liebt, dass es bei den Aufnahmen keinen „keinen Cut, keinen Schnitt, keine Sendeminuten wie im Radio“ gibt. Ihre Hörbücher werden zwischen anderthalb und 16 Stunden lang. Manche ErzählerInnen holen weit aus, müssen mehr erklären, wenn etwa Zeitgeschichte hineinspiele, sagt Grümmer. Wie es war, in der DDR aufzuwachsen. Wie es war, als polnische Spätaussiedlerin nach Deutschland zu kommen.

In der vergangenen Nacht hat Grümmer für Kerstin Leonards Geschichte eine Dramaturgie entwickelt. Und Vorschläge für den Titel hat sie auch gefunden: „Eigene Wege gehen“, „Jede Zeit hat ihren Wert“, „Der Fluss des Lebens“, „Das Leben ist da, um gelebt zu werden.“ Es sind Zitate von Kerstin Leonard; der gefallen Nummer 1 und 4 am besten. Grümmer schlägt eine Kombination vor: „Eigene Wege gehen – Das Leben ist da, um gelebt zu werden.“ Leonard nickt. „Ja, das ist es.“

Geschichten, die selbst der Papa nicht kennt

Sie breitet die Seiten vor sich aus, wirkt zufrieden. Von über 100 Kapiteln nimmt der Krebs etwa vier ein. „Wir feiern hier das Leben“, sagt Grümmer. Das Hörbuch sei ein Zukunftsgeschenk für die Kinder, keine Dokumentation einer Krankheitsgeschichte. „Es soll Spaß machen.“

Das Inhaltsverzeichnis sprechen sie gemeinsam ein, ausnahmsweise im Stehen. Grümmer gibt die Betonung vor, Leonard spricht nach. Von „Wie meine Eltern sich kennengelernt haben“ über „Sommer ’97“ bis „Was ich jetzt noch tun muss“. Auf ihre To-do-Liste hat Grümmer zuletzt “Titelmelodie kleiner Lord“ notiert. “Solche Spielereien bieten sich an, es soll ja ein Hörgenuss werden!“

Fürs Vorwort setzt sich Kerstin Leonard wieder hin, schlägt den Collegeblock auf und überfliegt die ersten Sätze. Sie schließt die Augen und redet minutenlang völlig frei. „Ich möchte“, sagt sie ins Mikrofon, „dir, liebe Lena, mit dem Hörbuch Ansichten, Ideen und Denkanstöße mit auf dem Weg geben und Geschichten erzählen, die selbst der Papa noch nicht kennt.“ Hin und wieder bricht ihre Stimme, doch sie fängt sich jedes Mal.

Für das Intro braucht Judith Grümmer ein Lied mit langen Instrumentalparts. Sie schlägt „Das Leben ist schön“ von Sarah Connor vor. „Als ich das Lied das erste Mal gehört hab, dachte ich, wow, woher kennt die das Projekt?“, sagt Grümmer. Connor singt, dass sie auf ihrer Beerdigung keine Trauerreden hören, keine Tränen sehen will. Lieber „’nen Heißluftballon, auf dem riesengroß steht, das Leben ist schön, auch wenn es vergeht“. Sie hören sich das Lied in voller Länge an. Schließlich nickt Leonard, „Das Leben ist schön“ soll ihr Hörbuch eröffnen.

Judith Grümmer

„Es gibt Menschen, die brauchen das Hörbuch dringend noch zu Lebzeiten, weil es für sie der Schlüssel zur Kommunikation ist“

Grümmer weiß aber auch: Es ist nicht immer alles Sarah Connor. Sie hat todkranke Menschen erlebt, die auf ihrem Stuhl mit dem Lammfell nicht nur das Leben feiern wollen. Und können. „Man darf hier weinen, schreien, Rechenschaft ablegen, Angehörige um Verzeihung bitten, mir im übertragenen und im wahrsten Sinne des Wortes vor die Füße kotzen“, sagt sie. Ihre Aufgabe sei es, nicht zu bewerten, aber zu beruhigen und bloß keine Missverständnisse entstehen zu lassen. Mutwillige Kränkungen kämen fast nie vor: „In den Hörbüchern wird keine dreckige Wäsche mehr gewaschen – nicht, weil ich es nicht zulassen würde, sondern weil die Menschen sich aufs Wesentliche konzentrieren.“

Manche ihrer ProjektteilnehmerInnen müssten auch erst lernen, über sich selbst zu reden. „Es gibt Menschen, die brauchen das Hörbuch besonders dringend noch zu Lebzeiten, weil es für sie der Schlüssel zur Kommunikation ist.“

Andere versuchen, die Fertigstellung hinauszuzögern, melden sich immer wieder mit Kleinigkeiten, wollen Passagen neu einsprechen. Sie haben Angst, dass sie sterben werden, wenn das Hörbuch fertig ist. Und das komme ja auch immer wieder vor, sagt Grümmer. Diese ProjekteilnehmerInnen seien oft in Wirklichkeit gar nicht fit gewesen: „Es war die Arbeit an dem Hörbuch, die sie hat aufblühen lassen. Da werden nochmal richtig Kräfte mobilisiert.“

Auch Kerstin Leonard hat sich vor der Fahrt in die Eifel Sorgen gemacht. „Ich dachte, du machst jetzt dieses Hörbuch und was kommt dann? Wenn ich wieder zu Hause bin, muss ich mich neu sortieren und gucken, was schaffe ich noch? Was will ich noch?“ Und was nimmt sie mit? Den Mut, mit der ein oder anderen Person noch einmal das Gespräch zu suchen. Gelassenheit, dass da jetzt etwas ist, was bleibt. „Und das Gefühl, zufrieden zu sein, und dass ich, so wie ich bin, richtig bin.“

Für Öffentlichkeitsarbeit fehlt die Zeit

Was Judith Grümmer belastet, sind nicht die vielen jungen Eltern, deren Geschichten sie hören darf. Es sind diejenigen, denen sie absagen muss. Für die sie zu spät kommt. Die, weil sie nicht aus Nordrhein-Westfalen sind, die Kosten selber tragen müssen und das nicht können. Über ihren Stundenlohn sagt Grümmer nur, dass sie weniger nimmt als die meisten Handwerker. Sie will den Förderetat schonen, um daraus so viele Hörbücher wie möglich zu produzieren.

Wenn es bald 15 KollegInnen gibt, könnte zwar mehr Menschen der Wunsch nach einer Audiobiografie erfüllt werden, doch braucht es dafür Finanzierung von außen, durch Stiftungen, öffentliche Zuschüsse, die Krankenkassen. „Nicht die Familien sollen das bezahlen müssen. Das ist der falsche Weg.“

Manchmal glaubt sie, die Zeit ist noch nicht reif. „Vielleicht ist das wie mit dem ersten Computer? Den wollte doch auch keiner haben, oder?“ Es ist für sie schwierig zu begreifen, dass ihr Projekt nach so vielen Jahren immer noch nicht nachhaltig ist. Aber für Öffentlichkeitsarbeit, dafür, alle Stiftungen in Deutschland abzutelefonieren, fehlt ihr die Zeit.

Grümmer wünscht sich zudem eine an das Hörbuch geknüpfte Betreuung der Angehörigen. Immer wieder wenden sich Hinterbliebene an die Frau, der ihr geliebter Mensch damals in der Eifel so viel erzählt hat. Grümmer hört auch ihnen zu, gibt Rat, mehr geht nicht. „Ich bin die Fremde im Zug, aber ich muss auch irgendwann aussteigen.“

 

Bonner General-Anzeiger am 15. Oktober 2019: Abschied von der kleinen Pauline. Judith Grümmer produziert Familienhörbücher für schwer kranke Mütter und Väter

Botschaften hinterlassen: Audiobiografin Judith Grümmer lässt sich die Lebensgeschichte der Frau erzählen.

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Bonn. „Liebe Pauline“, beginnt die sanfte Frauenstimme die Audioaufnahme. „Ich weiß nicht, wann du dir dieses Hörbuch anhörst. Aber ich würde mir wünschen, dass du das gemeinsam mit dem Papa machst“, fährt die Frau fort und erzählt dann, untermalt von klassischer Musik, von ihrer Kindheit, von Urlauben, der Tanzstunde, ihrer Freude am Musizieren, wie sie Paulines Vater kennenlernte, heiratete und Pauline gebar. Die Medizinjournalistin Judith Grümmer stoppt die Aufnahme, aus der sie 2014 das erste Produkt ihres Herzensprojekts „Familienhörbuch“ geschnitten hat.

Paulines schwerkranke Mutter sei kurz nach der Fertigstellung gestorben, sagt Grümmer und lässt das Band wieder laufen. Nun kündigt die sanfte Frauenstimme an, sie erzähle viele lustige Geschichten. Aber auch: „Es gibt die Kapitel mit Karl, dem Krebs. Und die sind vielleicht nicht so lustig. Und da würde ich mir wünschen, dass ihr die zusammen anhört, in Momenten, in denen ihr das aushalten könnt“, so lautet die Botschaft an ihren Mann und die kleine Tochter. Die Hörfunkjournalistin Grümmer produziert seit 2004 Familienhörbücher. „Und zwar zuerst nach dem Motto: Oma, erzähl mal.“ Irgendwann sei ihr klar geworden, dass es für eine andere Zielgruppe wohl noch wichtiger sein könnte, gerade ihre Stimme zu hinterlassen. „Seither mache ich Zukunftsgeschenke für früh verwaiste Kinder als therapiebegleitendes Angebot“, sagt die Journalistin.

Sie nehme also die Erzählungen schwer erkrankter Mütter und Väter im Rahmen eines Forschungsprojektes der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Bonn auf. „Ich bin dabei keine Therapeutin, sondern höre zu wie etwa eine Person, der man auf einer Zugfahrt sein Leben erzählt und die man dann nie wiedersieht.“ Schwerstkranke könnten für ihre kleinen Kinder ein Stück Lebensweg mit dem Mikrophon nachzeichnen, dank der Förderung der Rhein-Energie-Stiftung bis zum März 2020 kostenfrei.

„Ich komme überall hin: nach Hause, in die Klinik, ins Hospiz oder wir treffen uns in der Eifel. Wir arbeiten, wenn es geht, drei Tage. Und dann produziere ich das Ganze so schnell wie möglich.“ Damit das Hörbuch nach rund 100 Arbeitsstunden noch vor dem Tod überreicht werden kann. Grümmer hat selbst eine Fortbildung in „Palliative Care“ absolviert. Derzeit bildet sie weitere Audiobiografen aus. „Ich werde bundesweit von Anfragen überrollt, bin aber immer noch ein Eine-Frau-Team.“ Parallel dazu ist Grümmer dabei, eine gemeinnützige GmbH zu gründen, damit das Projekt nach der Anschubfinanzierung durch die Stiftung weiterhin kostenfrei angeboten werden kann. „Schwerstkranke, die schnell nur noch vom Krankengeld leben, können nicht noch Extragelder freimachen. Deshalb muss ich Sponsoren suchen“, begründet Grümmer ihr Zukunftsprojekt.

Die Palliativpatientin in ihrer Aufnahme von 2014 betont am Ende ganz langsam, dass ihre kleine Pauline seit der furchtbaren Diagnose eine „ganz tolle Medizin“ gewesen sei. Und es bricht dem Zuhörer das Herz. Das Mädchen möge also sicher sein, dass bei der sterbenden Mutter „alles nicht ganz so düster“ gewesen sei.

Pauline möge die Aufnahme „als Schatzkästchen“ ein Leben lang bewahren, wünscht sich die Frau, deren sanfte Stimme hier doch fast zu brechen droht. Und dann findet die Todkranke doch wieder zu ihrem beruhigenden Ton zurück. Pauline werde später alles verstehen, was ihr hier erzählt werde, ist die Mutter sich sicher. „Wenn du vielleicht einmal selbst Kinder hast.“

 

 

In der Oktoberausgabe der MEDICAL TRIBUNE. Ärzte für Ärzte: „Eine letzte Botschaft. Unheilbar erkrankte Eltern hinterlassen ihre Geschichte„.

Autorin: Dr. Anja Braunwarth

(Auszug): Etwas Vergleichbares gab es bislang wohl noch nicht. „Wir haben im Vorfeld nichts zu Audiodokumentationen schwer kranker junger Eltern gefunden“, sagt Michaela Hesse, Psychoonkologin der Klinik. Sie führt mit den Teilnehmern der Studie zunächst ein Evaluierungsgespräch – in der Klinik oder bei ihnen zu Hause –, in dem sie z.B. die Einstellungen zur Erkrankung und die Erwartungen an das Projekt erfasst. Außerdem erhalten die Patienten standardisierte Fragebögen zu Symptomlast, Lebensqualität und Lebenssinn.

„Der Bedarf ist groß, die eigene Lebensgeschichte stellt eine große Ressource dar und das Nacherzählen erzeugt oft Dankbarkeit, schafft aber auch einen Abschluss“, erklärt Hesse. Zudem erfahren die Kinder die Geschichte ihres verstorbenen Elternteils aus erster Hand.

Den vollständigen Artikel lesen Sie hier oder als PDF: MedicalTribuneD-S29-komprimiert

Perspektive LEBEN – Rat & Hilfe berichtet im September 2020 im Serviceteil auf S. 22 über das Familienhörbuch-Projekt.

Familienhörbuch. Eine letzte Botschaft

Wie kann ich meinen Kindern im Gedächtnis bleiben? Diese Frage stellen sich häufi g schwer kranke, junge Eltern. Seit inzwischen sieben Jahren konzentriert sich die freie Hörfunkjournalistin Judith Grümmer fast aus-schließlich auf ein Projekt, das hier helfen kann: Sie arbeitet mit Palliativpatienten zusammen und produziert mit ihnen Hörbücher über ihr Leben. „Viele Menschen berichten Außenstehenden mehr“, erklärt die Audiobiografin. Sie lässt Patienten einfach reden, lässt sie aus dem Stegreif und ohne Text die Geschichte ihres Lebens erzählen. Für unheilbar erkrankte Eltern bietet das eine einzigartige Möglichkeit, ihren Angehörigen, insbesondere ihren Kindern, lebendig im Gedächtnis zu bleiben. „Natürlich sind die Gespräche auch mit sehr viel Schmerz verbunden, aber ich erlebe es oft als eine Art heilenden Schmerz“, berichtet Grümmer. Die Aufzeichnungen dauern meist drei Tage, für die Fertigstellung sind dann noch ein paar Wochen Nacharbeit nötig.

Wirkung der Hörbücher wird untersucht

Aktuell wird das Projekt im Rahmen einer Studie der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Bonn evaluiert. Dazu führt Michaela Hesse, Psychoonkologin der Klinik, Gespräche mit Teilnehmern der Studie und ihren Angehörigen. „Der Bedarf ist groß, die eigene Lebensgeschichte stellt eine große Ressource dar und das Nacherzählen erzeugt oft Dankbarkeit, schafft aber auch einen Abschluss“, erklärt Hesse. Ab Januar 2020 können zudem 15 weitere Audiobiografen an den Start gehen – das gemeinnützige Projekt braucht jedoch dringend nachhaltige Förderung und Finanzierung.

https://www.medical-tribune.de/fileadmin/PDF/MPL_Ausgaben/MPL_2019_03.pdf

 

Judith Grümmer im Interview mit Birk Grüling zum Thema Audiobiografische Begleitung von Palliativpatienten im Redaktionsnetzwerk Deutschland (11.September 2019)

 

Wenn Eltern sterben: Meine Stimme als Erinnerung

(das gesamte Interview können Sie hier nachlesen )

oder als PDF unter RedaktionsNetzwerk Deutschland 

Ausschnitt aus dem Interview: Was macht die Aufnahme mit den sterbenskranken Menschen?

„Die Rückbesinnung auf das eigene, erfüllte Leben hat etwas sehr Tröstendes. Ich hatte doch eine schöne Zeit, diese Erkenntnis ist vielen Palliativpatienten sehr wichtig. Außerdem gibt es eine neue Antwort auf die Frage, was bleibt eigentlich von mir. Die Patienten können sich sicher sein, dass ihre Stimme, ihre Geschichte ganz anders im Bewusstsein der Angehörigen bleibt. Diese Rückmeldung bekommen wir übrigens auch von den Angehörigen. Sie empfinden das Hörbuch als sehr besondere Form der Trauerbegleitung.

Die Rückbesinnung auf das eigene, erfüllte Leben hat etwas sehr Tröstendes.“

 

Wenn Mütter und Väter sterbenskrank sind, suchen sie nach einem Weg, um ihren Kindern etwas von sich zu hinterlassen. Judith Grümmer hilft ihnen dabei. Die Audiobiografin erstellt mit diesen Menschen Familienhörbücher. Geschichten zum Anhören mit einer Stimme, die bleibt. Von Doerthe Rayen
Der Link zu den Westfälischen Nachrichten: Westfälische Nachrichten am 7. September 2019
 
Leben Sie wohl. Geschichte und Zukunft der Palliativmedizin Eine Produktion des Familienhörbuchs Köln in Zusammenarbeit mit der Deutschen Krebshilfe und der Klinik für Palliativmedizin, Köln.
Das Hörbuch der Deutschen Krebshilfe und der Klinik für Palliativmedizin in Köln berichtet über die Geschichte und Zukunft der Palliativmedizin in Deutschland. Patienten und Angehörige sprechen über die letzte Lebensphase. Darüber hinaus wird auch über die Arbeit der ersten deutschen Palliativmedizinerin und Therapeutin Dr. Ingeborg Jonen-Thielemann berichtet. Sie war bis 2006 leitende Ärztin der Palliativstation im Dr. Mildred Scheel Haus in Köln. Jonen-Thielemann hat viele Menschen davon überzeugt, dass das Leben bis zum letzten Atemzug lebenswert ist. Sie können das Hörbuch „Palliativmedizin“ kostenlos bei der Deutschen Krebshilfe bestellen. E-Mail: pressestelle@krebshilfe.de Bestellen bei der Deutschen Krebshilfe
Bei der Deutschen Krebshilfe: Das Familienhörbuch zur Geschichte der Palliativmedizin

Bei der Deutschen Krebshilfe: Das Familienhörbuch zur Geschichte der Palliativmedizin

  Leben Sie wohl. Geschichte und Zukunft der Palliativmedizin Eine Produktion des Familienhörbuchs Köln in Zusammenarbeit mit der Deutschen Krebshilfe und der Klinik für Palliativmedizin, Köln. Das Hörbuch der Deutschen Krebshilfe und der Klinik für Palliativmedizin in Köln berichtet über die Geschichte und Zukunft der Palliativmedizin in Deutschland. Patienten und Angehörige sprechen über die letzte Lebensphase. Darüber hinaus wird auch über die Arbeit der ersten deutschen Palliativmedizinerin und Therapeutin Dr. Ingeborg Jonen-Thielemann berichtet. Sie war bis 2006 leitende Ärztin der Palliativstation im Dr. Mildred Scheel Haus in Köln. Jonen-Thielemann hat viele Menschen davon überzeugt, dass das Leben bis zum letzten Atemzug lebenswert[...]

Aktuell hrsg. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Aktuell hrsg. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Letzte Wege - Wenn das Leben Abschied nimmt. Magazin zur Hospizarbeit und Palliativversorgung. Herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2019. Sie können das Magazin herunterladen     [...]

Basiskurs: Audio-Biografien

Basiskurs: Audio-Biografien

Zukunftsfähig - Das Team des Pilotprojekts wird wachsen BasisKurs Audiobiografie - Flyer - zum Download In dem Basiskurs "Audio-Biografien schwerstkranker Mütter und Väter erstellen – Patientinnen und Patienten erzählen für ihre Kinder" werden erfahrene Journalisten und Dramaturgen mit den Grundlagen der Palliativmedizin vertraut gemacht und zu Audiobiografen fortgebildet. Die Audiobiografen werden dazu befähigt, Palliativpatientinnen und -patienten mit kleinen und heranwachsenden Kindern mit dem journalistischen Handwerkszeug durch die Dokumentation ihrer Lebensgeschichte zu begleiten und anschließend das Originaltonmaterial professionell und dramaturgisch anspruchsvoll zu einer Audiobiografie zu gestalten. Außerdem werden Themen wie Selbstfürsorge, Krisenintervention, Sterbebegleitung im Kontext von palliativer und hospizlicher Begleitung uvm erarbeitet. verbale, nonverbale und basale[...]

Projektförderung der RheinEnergieStiftung Familie verlängert

Projektförderung der RheinEnergieStiftung Familie verlängert

Aus der Begründung der RheinEnergieStiftung Familie im Dezember 2018: Mit dem beantragten Projekt wird ein neues therapiebegleitendes Angebot für schwerstkranke junge Mütter und Väter und deren gesamter Familie, mit Schwerpunkt auf Kinder als Angebot der Krankheits- und der nachhaltigen Trauerverarbeitung entwickelt und evaluiert. Aus Interviews mit der erkrankten Person wird eine Audio-Biographie erstellt, die den Betroffenen zurückgegeben wird, und die sie als persönliches Vermächtnis an die Kinder und andere Familienmitglieder nutzen können. In der Begleitforschung werden die Auswirkungen der Biographiearbeit auf Symptomlast, Lebensqualität und Lebenssinn der Patienten mit Interviews und standardisierten Fragebögen erhoben und Lebenspartner und Kindern zu den Auswirkungen der[...]

12. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin in Bremen

12. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin in Bremen

Unter dem Motto „Auf breiten Wegen - Integration, Innovation, Intuition“ stellte sich der 12. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin in Bremen vom 5. bis 8. September 2018 den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Das Pilotprojekt Familienhörbuch „Audio-Biografien schwer erkrankter Mütter und Väter. Patienten erzählen für ihre Kinder“ präsentierte seine Arbeit in Bremen an einem eigenen Stand des Palliativkongresses (B13 in Halle 4.1). Im September 2016  war das Pilotprojekt erstmals öffentlich auf dem 11. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin in Leipzig im Rahmen des Meet the Experts 2 präsentiert worden.[...]

RheinEnergieStiftung Familie fördert Audio-Biografien schwerstkranker Mütter und Väter

RheinEnergieStiftung Familie fördert Audio-Biografien schwerstkranker Mütter und Väter

Ab dem 1. März 2017 fördert die RheinEnergieStiftung Familie für zwei Jahre das Familienhörbuch-Projekt „Audio-Biografien schwerstkranker Mütter und Väter – Patienten erzählen für ihre Kinder“. In Zusammenarbeit mit Prof. Lukas Radbruch und dem Verein zur Betreuung und Begleitung von Schwerstkranken und Tumorpatienten e.V. wird Palliativpatienten die Möglichkeit angeboten, ihre ganz persönliche Lebensgeschichte als Audio-Biografien für ihre Kinder und Angehörigen zu erzählen. Die Finanzierung von Audio-Biografien im Rahmen dieser Pilotstudie ist somit zunächst gewährleistet. Für die Palliativpatienten entstehen im Rahmen des Forschungsprojektes keine Kosten. Mehr[...]