Eine Schatzkiste für die Zeit nach dem Tod – Sterbenskranke junge Eltern
hinterlassen ihren Kindern Hörbücher – Von Claudia Rometsch (epd)

Früh verwaiste Kinder fragen sich oft, was ihre Eltern wohl erlebt
oder gedacht haben. Ein bislang einzigartiges Projekt ermöglicht es
schwer kranken Eltern, Hörbücher für ihre jungen Kinder aufzunehmen.

Bonn (epd). «Das sind Verdauungsbeschwerden», dachte sich Michael
Zimmermann, als er während seiner Elternzeit immer wieder mal
Bauchschmerzen hatte. Doch zwei Tage nach seiner Rückkehr an den
Arbeitsplatz erhielt der Krankenpfleger die niederschmetternde
Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wie lange er noch zu leben hat,
weiß der 43-Jährige nicht genau. «Aber aus medizinischer Sicht ist es
unwahrscheinlich, dass ich meinen Sohn noch aufwachsen sehe», weiß
Zimmermann, der eigentlich anders heißt. Es schmerzt ihn, dass sein
anderthalbjähriger Sohn ihn möglicherweise nie wirklich kennenlernen
wird. Zimmermann fragte sich, was er tun könnte, um dem Jungen etwas
von sich zu hinterlassen.

Die Lösung war die Aufnahme eines Hörbuchs. Mittlerweile hält
Zimmermann seine Audiobiografie in den Händen, in der er über sein
Leben und seine Überzeugungen spricht. Durch die Erzählungen und
Botschaften wird ein Stück von ihm über seinen Tod hinaus für den
Sohn erhalten bleiben. «Das tröstet mich, weil ich weiß, dass es
Phasen geben wird, in denen mein Sohn seinen Vater suchen wird. Und
dann hat er etwas, was er anhören kann», sagt Zimmermann.

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